Donnerstag, 31. Juli 2008

Es geht weiter...

Hallo, hat mich jemand vermisst?
Na vielleicht, vielleicht auch nicht. Bin seit ein paar Tagen aus La Paz weg - war allerhoechste Zeit! Hab dort die letzte Woche im Dauerabschieds-schmerz verbracht, was nicht schoen ist.
Nachdem mich meine Gastfamily zum Abschied noch in den unwirklichsten Teil von La Paz entfuerht hat: einen Tennis-Fitness-Wellness-Club, der 50$ am Tag Eintritt kostet, wenn man nicht den Victor zum Papa hat ;-)
Also nachdem ich dort meine Titicacasee-Forelle mit Mandel-Rahmsosse und schlechtem Gewissen verdrueckt hatte, ging es los.
Zuerst zum Lago Titicaca, ich wollte eigentlich am Nordufer entlang, das ist eine ganz abseitige und sehr schoene Strasse, die nur von Schmugglern aus Peru benutzt wird. Als erstes kam ich durch Achacachi, das ist so die Zentralstelle abgesottener Altiplano-Bewohner, kurz "Ponchos Rojos", mit zwei davon hab ich mich im Bus unterhalten und sie boten mir am Ende an, mich mit ihren Revolvern vor dem Rest der Bande zu beschuetzen. Wohl war mir ja nicht bei der Sache, weil die Haus-Securitys von Tobi und Martin mal stolz erzaehlt hatten, dass sie in eben diesem, ihrem Heimatdorf, die Diebe im Ofen verbrennen und eines Tages - den Grund hab ich vergessen - alle Hunde gegessen haben...
... also ich wollte da lang, und nachdem ich bis zur Haelfte gekommen war, machte ich Pause in Santiago de Ocola, wo meine vorvorherige Praktikumsstelle ein kleines Tourismusprojekt begonnen hat. Erst mal war es da so schoen, dass ich ueber Nacht geblieben bin. Dann hat mich der kleine Gustavo morgens noch eine Runde im Boot mit auf den See genommen, was auch sehr schoen war.
Mittags stand dann ploetzlich der Jeep von meinem "Ex-Chef", dem Tomas vor meinem neuen Heim und nach einem zuenftigen Bauern-Mittagessen (ein Berg aus 3 Sorten Kartoffeln&Knollen, Wurstsalat, Kaese), hatten sie mich ueberredet, doch wieder zurueck zur Main-Touri-Route zurueckzukehren. Also war ich bald ich Copacabana angekommen, wo ich noch ein bischen die Zeit mit Forellenessen verbrachte (Forelle komplett fuer 1,70€).

Dort hab ich mich gestern abend dann endgueltig von Bolivien losgerissen. Jetzt sitz ich in Cusco, die ersten Inca-Festungen, Ollantaytambo und Pisaq, hab ich mir schon mal angeguckt, muss jetzt nur noch Tobi und Hans finden, die auch gerade angekommen sind...
dann heisst es glaube ich mal wieder "FIESTA" :-)

liebe Gruesse

Dienstag, 15. Juli 2008

Bilder vom Praktikum beim AOPEB

Und fuer die die als immer so gern a weng romandisch sin ;-)



Tja und hier wird gerade das Konkurrenzprodukt zum Kaffee in die Haupstadt transportiert: CoCa

Ueber die Strassen redet man besser nicht *husthust* geht mit Staublunge sowieso so schlecht!



Joah, das ist eine Schule-Sporthalle-Rathaus-Gemeindezentrum



Eigentlich schade fuer US-AID, und die ganzen Investitionen, dass sie das Land verlassen mussten, als sie versucht haben in der Politik mitzumischen.
nach diesem erleuchtenden Treffen haben wir noch die 2 Millionen Dollar Teefabrik besucht




Das, meine Freunde, ist mein Treffen mit drei kugelrunden Indianerhaeuptlingen - eigentlich sind es eher Familienoberhaeupter, die Bilder der richtig grossen Haeuptling haengen an der Wand :-)
Hier habe ich verhandeln auf suedamerikanisch gelernt: alle machen sich grosse Komplimente und loben das was man schon irgendwann mal erreicht hat immer und immer und immer wieder...
... und am Ende sind alle zufrieden und gehen heim ... oder wohin auch immer
und vielleicht aendert sich was - oder auch nicht.

Bei diesen Bildern handelt es sich um die bolivianische Form einer Waldorfschule ... Bienen, Blumen, Huehner und eine Gendatenbank verschiedener einheimischer Pflanzen
Na der Evo Morales natuerlich!
Richtig, Kaffee!! Und wer hat den Traktor dazu geschenkt?



Dann aber die Preisfrage: Was wird hier angebaut?


Zuerst einmal wollte ich euch zeigen,
was 4000m Hoehenunterschied
mit einer Plastikflasche anstellen!










Donnerstag, 10. Juli 2008

Erster Einblick in Entwicklungsarbeit in Bolivien

Ich arbeite jetzt seiiiit... so 2-3 wochen beim Dachverband bolivianischer Bioproduzenten. Ist schoen zu sehen, wie versucht wird, alles moeglichst aehnlich wie in den grossen Vorbildern Deutschland oder Italien zu machen. Das heisst nach einer Uebergangsphase in der schon biologisch produziert wird, in der aber noch keine Biosiegel vergeben werden, erhaelt man schliesslich nach einem strengen Zertifizierungsprozess das begehrte Siegel und man kann sich sicher sein, dass man auch in Zukunft streng kontrolliert wird.

In Bolivien gibt es so ein Siegel auch, der Dachverband der Bauern selber vergibt es (also da wo ich arbeite), und man gibt sich wirklich Muehe, ein ordentliches Prozedere mit Uebergangszeit, Boden-, Wasserproben und regelmaessigen Kontrollen durchzufuehren. Da aber ein Bauernverband laut EU unmoeglich unabhaengig urteilen kann gilt das Siegel ausserhalb von Bolivien einen Dreck.
Es gibt aber bisher auch keinen, der es sonst machen koennte. Also sind internationale Siegel wie "Biolatina" notwendig. Die Zertifizierung dafuer kostet aber 4500$, die die kleinen Bauernorganisationen, die meist gerade mal den Transport ihrer Produkte nach La Paz bezahlen koennen, unmoeglich aufbringen koennen. So sind sie also Biobauern, produzieren ohne kuenstliche Duenge- und Schutzmittel Kaffe/Kakao/Tee/Soja/Honig/Quinua/Amaranth, erhalten eine wertvollen Genpool und ernten weniger als ihre Nachbarn auf ihren Coca-Feldern.

Der AOPEB (so heisst die bol. Bio-Organisation) versucht nun nach und nach, den erfolgversprechensten seiner Mitgliedsorganisationen Zugang zu Geldern fuer die Zertifizierung zu vermitteln. Ausserdem versuchen wir in einem Pilotprojekt eine neue, superbillige Zertifizierung in einer Gemeinde zu entwickeln, die zwar niemals ausserhalb Boliviens gelten wird, aber fuer den nationalen Markt wenigstens eine Unterscheidung zwischen Bio und Nichtbio ermoeglichen wuerde. So eine Unterscheidung ist nicht ganz unwichtig, wenn man sich so anschaut, was "nicht-Bio-Produzenten" so ueber ihre Bananen/Orangen/Mandarinen etc. kippen. Das ist naemlich oft das dreckigste Flusswasser, dass die Coca-Produzenten die ihre Plantagen weiter oben in den Taelern haben ordentlich mit Chemikalien abgeschmeckt haben ;-)

Das, ist ein Problem. Ein anderes ist, dass so ein angehender Biobauer angesichts dieser Widrigkeiten natuerlich ziemlich schnell die Flinte ins Quinua schmeisst und wieder Coca anbaut. Beim Kaffee ist das in grosses Problem:
Viiiiel Entwicklungshilfe floss in den 80igern/90igern in die Region Caranavi (wo ich jetzt gerade war). Es begann die Kaffeeproduktion im grossen Stil, Schaelmaschinen wurden geschenkt...

  • Leider ist der Kaffee sehr krankheitsanfaellig und muss alle paar Jahre neu gepflanzter werden - Coca nicht.
  • Dann brauchen die Maschinen Strom und Wasser, was bei Blitzschlaegen und Erdrutschen die die Reservoirs verschuetten, gar nicht so einfach ist (ohne spass, das haben sie uns erzaehlt) - Coca braucht das nicht (mal von den Kokain-Labors abgesehen ;-)
  • Tee ist einfacher zu produzieren, aber der Preis fuer ein Kilogramm ist zum Weinen - bei Coca ist der Preis spitze.

Man ahnt vllt schon auf was das hinauslaeuft: die Kaffeeproduktion ist in den letzten vier Jahren um fast die Haelfte zurueckgegangen, die Coca auf dem Vormarsch. Die NGOs sind in aermere Gebiete abgewandert und der AOPEB versucht vor dem Hintergrund auch noch seinen BIO-Kaffee zu produzieren.

So, um jetzt noch ein bischen gegen die EU zu hetzen ;-) Die EU ist ein kleines, reiches Territorium, mit einer dicken Mauer aus doppelreihigem Stacheldraht drumrum, aus wirtschaftlicher Sicht (aber in Wirklichkeit auch... googelt mal die Ausgaben fuer die Grenzbefestigungen hinter den neuen Mitgliedsstaaten). Bolivien kann dort nur Rohstoffe hineinexportieren: Oel, Gas, Erze, Soja&Getreide, Cacao, Tee und als einziges verarbeitetes Produkt: Kaffee (von Kokain mal abgesehen). Bolivien kann keine Kekse aus Quinua exportieren oder Schokolade von El Ceibo (die sogar in die USA exportiert werden darf) - warum nicht? Weil wir das lieber selber machen.

Aus diesem Grund ist in den EU auch die Stevia verboten - eine Pflanze, deren Extrakt ein Zuckerersatzstoff ist, der die Insulinproduktion bei Diabetikern anregt und somit sogar medizinische Effekte besitzt. Warum ist die Stevia verboten? Kurze Geschichte:

  • Seit schon immer in Suedamerika benutzt und seit den 70-igern in Japan
  • 1991 - Verbot in den USA, weil noch nicht erforscht
  • 1994 - Zulassung nach ausreichender Forschung (aus Sicht der USA)
  • 1999 - Stellungnahme zum Fortbestehen des Importverbots in den EU: Man hat nur das kristalline Extrakt untersucht, nicht die Blaetter (kein Mensch wollte jemals die Blaetter importieren!)
  • 2006 - Gutachten der WHO (World Health Org.) das Stevia in Ordnung ist aber Fortbestehen des Verbots in den EU
  • 2007 - CocaCola kauft Rechte an einem Derivat auf und versucht nun auf eigene Faust eine Erlaubnis zu erhalten
  • 2008 - Verbot besteht fort, immerhin muessen europaeische Zuckerruebenproduzenten ja auch noch in den kommenden 20 Jahren vor dem boesen Zuckerrohr, Stevia und Billigzuckerrueben aus anderen Laendern geschuetzt werden!

hm, ich hab mich jetzt mal auf die Probleme beschraenkt, die Loesungen kann ich mir in den naechsten 10 Jahren mal ueberlegen - ich glaub naemlich nicht dass die so einfach sind.