Mittwoch, 23. April 2008

Mit furzenden Mulis durch die Kordilliere

Ein paar Tage Erholung waren nach diesem Hoellentrip erst mal bitter noetig, daher schreibe ich erst jetzt am Dienstag, was sich schon letzte Woche zugetragen hat!

Los ging es am Freitag morgen, nachdem ich meine zwei treuen Reisegefaehrten Tobi und Martin, ein paar Stunden zuvor endlich ueberzeugt hatte mitzukommen. Nachdem unser Taxi auf dem Weg zum Friedhof, wo die Minibusse abfahren, in einem Schlagloch beinahe einen Reifen verloren hatte, ging es los...
Martin sagte noch seinen Spanischkurs um 9Uhr per Haendy ab - hoert sich jetzt vielleicht spiessig an, ist aber halt schon notwendig, wenn man der Dozent des Kurses ist :-) Und schon fuhren wir an der Cordillera Real entlang nach Norden.

Dreieinhalb Stunden spaeter kamen wir mit eingeschlafenen Beinen in Sorata an. Ein wunderschoenes Bergdoerflein auf 2600m, (Caprezzo gar nicht unaehnlich) wo Ruhe und Friede das oberste Gebot zu sein scheint. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Strassekoeter morgens betaeubt werden um ihre touri-wirksame Schlafhaltung den ganzen Tag durchzuhalten! Allerdings waren noch nicht einmal viele Touristen zu sehen.
Fuer uns ging es zu einer der drei Bergfuehrervereinigungen - die jedoch sicher alle die gleiche Bergfuehrer vermitteln, und ausserdem die selben Preise haben. Schlau ist, dass die einen die Preise in $, andere in Bolis und wieder andere auf Wunsch sicher auch in Euro angeben, was die Vergleichbarkeit enorm erschwert :-)

Zusammen mit dem Chef ging es dann erstmal Vorraete kaufen, und nachdem der Sack gefuellt war kam so richtig vorweihnachtliches Expeditionsfeeling auf. Eine halbe Stunde oberhalb des Dorfes und schon einige Schweisstropfen spaeter erwartete uns dann Elliot, ein "Berg-Aymara" mit seinen zwei Eseln. Die beiden Viecher jetzt mit einem Grossteil der Ausruestung beladen, waehrend sie sich noch die Baeuche mit einer saftigen Ladung Grasmunition vollschlugen, um ihren Gasantrieb ueber die naechsten 1500 Hoehenmeter auch ordentlich befeuern zu koennen.

Was gibt es gross zu erzaehlen? Vom erheiternden Gerumpel der Maultiere begleitet stiegen wir durch verschiedene Vegetationszonen weiter und weiter hinauf. Martin mimte den ganzen Tag den Leidenden - was wir ihm jetzt im Nachhinein aber nciht mehr abnehmen wuerden. Maiskolben, Blumen, Esel und ihr Feld bestellende Menschen saeumten den ersten Teil des Weges. Spaeter sahen wir unter uns ein paar Ruinen der Inkazeit und kurz darauf verschwanden wir in den tiefhaengenden Wolken.
Immer hoeher gings hinauf, wir waren erst um 13 Uhr losgekommen, und hatten eigentlich eine volle 5 Stundenwanderung vor uns. kurz vor Dunkelheit kamen wir an dem Punkt an, wo ein Schild darauf hinwies, dass wir nun die Laguna Chillata erreicht haetten. War auch ganz gut so, sonst waeren wir in dem Nebel hineingestolpert und das waere unser sicherer Tod - zumindest finanziell - gewesen.
Einer alten Tradition folgend, hatte ich mich naemlich entkleidet und befand ich mich schon bis zu den Knien im Wasser, als durch die Wolken der zornentbrannte Guide der einzigen anderen Gruppe herabwetterte, dass Baden bei Strafe von 100$ verboten sei! Die wollten das Lagunenwasser naemlich noch trinken - und hatten wohl keine Lust auf Wandererschweiss-Beigeschmack.

Also krabbelten wir ungewaschen in unsere Schlafsaecke waehrend Elliot uns ein Riesenmenue brutzelte - allein dafuer haben sich die 12$ am Tag fuer ihn gelohnt. Ausserdem hatte er noch so die eine oder andere Info ueber den Eukalyptus, die Inca etc auf Lager und die Humintas seiner Ehefrau waren auch nicht zu verachten (das sind suesse Mais..."dinge"!!).
Kurz vor dem Einschlafen entdeckten die zwei Gefaehrten dann noch voll Schrecken, dass sie am Montag ein Examen haetten und wir deshalb Sonntag besser schon daheim sein muessten.

Der Morgen empfieng uns mit dem Nebel vom Abend, doch ein unverdrossener Tobi liess aus seinem Schlafsack heraus verlauten, dass er heute zum Gletschersee hochlaufen wuerde, komme was wolle. Mag sein, dass sich sein Enthusiasmus etwas abkuehlte, als ihm draussen die Nebelschwaden um den Kopf wehten, aber da ging s auch schon los.

von 4000 auf 5100 Meter hinauf und der arme Martin litt noch schrecklicher als je zuvor. Der einzige Trost war, dass sich die Nebelschwaden von Zeit zu Zeit ein bischen hoben und den Blick auf ein weisses Glitzern weit ueber uns freigaben. Ein Kokaopfer an die Pachamama schien auch zu helfen. Man kann zu Recht behaupten, dass uns Elliot unerbittlich vorantrieb, jedoch hatte er ja auch Recht! Oben angekommen taten sich naemlich die Wolken durch die wundersame Kraft des maechtigen Achachila Illampu auf, und wir sahen die gewaltigen Gletscher von allen Seiten auf uns zufliessen (zugegeben, Kluane is no a bissl groesser).
Kurz kosteten wir den Triumpf aus, an der Laguna Glaciar angekommen zu sein, dann ging es im Laufschritt wieder bergab: 2500 Hoehenmeter bis Sorata.

Bei 4000 Meter haute mich das Kopfweh fast aus den Latschen, und Tobi brannten bei 3000 Meter die Knie wie die Hoelle, wer jedoch munter wie ein nicht-betaubter-Sorata-Hund vornewegsprang, ja das war unser zuvor noch ach so leidender Martin!! Wir haetten ihn in diesem Moment wahrscheinlich beide ------ koennen. Auch Elliot gings ganz gut, und spaetestens, als wir wieder heile in Sorata waren (die letzten 3 km haben wir ein Taxi genommen :-) waren wir alle sowas von happy :-)

Montag, 14. April 2008

Guarasugwe

Wusstet ihr eigentlich, dass das Volk der Guarasugwe hier mal gerade noch 13 Mitglieder hat?
Muss die mal zusammentrommeln - das gibt ein wahrhaft historisches Foto!

Wieder mal etwas Politik

ja wieso eigentlich Politik? Ich studier doch Wirtschaft im Nebenfach!
Immerhin hab ich meinen abschweifenden Interessen zum trotz gestern auch ein paar Gruende fuer Wirtschaft gefunden:

"Economic development is not an intellectual riddle to be investigated and solved for the sake of professional prestige an recognition, or for a good mark in a course." (Cypher, Dietz: The Development Imperative) Ich moechte hier besonders den letzten Halbsatz wuerdigen ;-)

Gleichzeitig sagen die beiden Autoren auch: "Eradication of absolute poverty is a political economic problem." Womit ich mein Doppelinteresse ja immerhin ein bischen rechtfertigen kann... das ist ja schliesslich mein Ziel, die Ausrottung der absoluten Armut in dieser Welt :-)
und die Leser dieses Blogs werden die ersten sein, die ich davon ueberzeuge, also aufgepasst ;-)

Um zum Kern der Sache zu kommen:
Hier wird am 4.5. ein Referendum stattfinden, und zwar darueber, ob die neue Konstitution vom Volk akzeptiert wird. Ansich kein groesseres Problem: so ein Ding wird geschrieben, dem Parlament vorgelesen, von selbigem beschlossen und dann dem Volk zur endgueltigen Abstimmung vorgelegt.

in Bolivien laeuft es so: Das Ding wird geschrieben, die Opposition blockiert ein Jahr lang jeden einzelnen Paragraphen, man will das Ding dem Parlament vorlesen. Leider verhindern blutige Proteste, dass das Parlament zusammenkommt. Nun hat aber der Praesident das Recht, das Parlament an jedem Ort im Land einzuberufen. In unserem Fall ist das ein gesicherter Militaerstuetzpunkt.... bis dorthin schafft es die Regierungspartei und zusammengenommen 5 Prozent der Opposition .... und beschliessen die Verfassung.
(zugegeben, die Opposition wollte auch gar nicht kommen)
...von selbigem also beschlossen und jetzt fehlt nur noch das Referendum.

Fehlt vllt noch zu erwaehnen, dass die Opposition im folgenden Monat in der Haelfte der Departamentos Autonomie-statute verkuenden liess, um sich unabhaengig von dieser "schamlosen" Regierung zu machen.

Seither wird mit harten Bandagen gekaempft, hier die Kurzfassung:
  • Der Tote bei den Verfassungsprozessen wurde weder von einer Militaer- noch Polizeikugel getoetet.
  • Einige der Studenten die immer wieder Hungerstreiks durchfuerhten wurden nachweislich bezahlt.
  • Paramilitaers bilden sich auf beiden Seiten, dass die Regierung Gewaltfreiheit geschworen hat gilt ja nicht fuer deren Anhaenger. Allerdings treten sie bisher kaum in Erscheinung.
  • Das Medium Fernsehen ist fest in der Hand von Oligarchen, namentlich Unitel was hier jeder guckt. Zeitungen sind unglaublich arm an interessanten Hintergrundnachrichten (BILD laesst gruessen) und ebenfalls ziemlich einseitig.
  • im Maerz werden kuenstlich die Lebensmittel Fleisch, Reis und Speiseoel verknappt. Kuenstlich deshalb, weil sich der Preisanstieg auf diese Dinge beschraenkt, die Weltmarktnachfrage nicht innerhalb einer Woche sprunghaft ansteigt und z.B. der Speiseoelmarkt in der Hand von drei meiner geliebten Oligarchen ist. Bedenkt man die Groessenordnung in der Bolivien heute Sojaoel exportiert, kann man sich den Einfluss dieser drei Menschen ungefaehr vorstellen! Die Lebensmittelknappheit laesst Erinnerungen an den Sturz der Regierung Allendes in Chile wachwerden, die in die Diktatur Pinochets muendete.
  • Der Gegenschlag war ein Exportverbot dieser Produkte, was auch sofort wirkte, die einsetzende Inflation die von 11 auf 14 Prozent im Vormonat gestiegen war sank wieder auf die 11 Prozent und die Preise stimmten auch wieder. Einziges Problem: was halten die Abnehmer der bolivianischen Produkte von so einer Politik?!
  • US-Aid, US-amerikanische Entwicklungshilfe wird von der US-Regierung als Werkzeug zur Destabilisierung in den Laendern Venezuela, Ecuador und Bolivien benutzt. In Kooperation mit dem genannten Sender Unitel wurde ein Hetzspot gedreht, der zeigen sollte, dass die Regierung Hilflieferungen blockieren wuerde. Hintergrungnachrichten sind fast unmoeglich zu bekommen, dass die Nachricht zumindest zu 60 Prozent gefaelscht war ist jedoch ziemlich klar, interessante Artikel zu diesem Thema kann man vllt finden, wenn man die venezolanische Jounalistin "Eva Golinger" googelt.

Lassen wir es mal dabei bewenden. Worum geht es eigentlich bei diesem Kampf?

Wir reden hier von einem Land, dass sein koloniales Erbe ganz gut bis heute bewahrt hat. Allerdings spreche ich dabei nicht von Gebaeuden sondern von einer weissen Fuehrungselite, die in einem Land mit ueber 60 Prozent Indigenas, die wirtschaftliche Macht besitzt (so ungefaehr 80 Prozent davon). Nach einigen Auseinandersetzungen ist jetzt diese 60 Prozent Mehrheit an der Reihe, Entscheidungen zu treffen. Aenderungen sind greifbar nahe: Der letzte Artikel der Verfassung wird den Grossgrundbesitz auf, wahlweise, 5000 oder 10000ha begrenzen - was ein Bruchteil jetziger Haciendas ist.

Desweiteren orientier sie sich stark an der jüngst verabschiedeten UN-Erklärung der Rechte indigener Völker, die zum Beispiel allen Nationen Boliviens (36 davon gibt es) eine verfassungsrechtliche Gleichstellung garantiert. "Dazu wird eine indigene Selbstverwaltung etabliert, traditionelle Medizin und Gerichtsbarkeit werden genauso geschützt wie Kultur und Sprache. Zudem erhalten die Indigenen Mitspracherechte in Ressourcenfragen." (Beutler, Benjamin 2008: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Bolivien/verfassung15.html)

Auf der Strecke bleibt die Zusammenarbeit mit USA, Weltbank, Int.Waehrungsfonds und anderen grossen Kreditgebern. Auf der Strecke bleibt eine neoliberale Politik, die die Armutsbekaempfung im wirtschaftlichen Wachstum sucht. Die Befuerchtung vieler grosser Oekonomen, dass duch den Willen eines noch-nicht-kapitalistischen Volkes ein Land einen vermeintlich voellig falschen Weg einschlaegt, scheintl sich zu bewahrheiten. Es wird das Recht auf voellige Abschirmung von Kleinvoelkern geben, die keinen Kontakt wuenschen.

Da stellt sich abschliessend nur noch die Frage, ob eben dieser Weg der falsche ist.

PS: keine Angst, es kommen auch wieder Bilder ;-)

Montag, 7. April 2008

ojeojeoje mir gehts ja soooo schlecht!!

ist das toll, wenn man n Blog hat und sein Leid in die ganze virtuelle Welt hinausheulen kann!! :-)


Also: mein Problem hier ist schlicht und einfach komplette Ueberarbeitung!!! wie ich Kathrin gerade schon mitgeteilt habe: ich bin voellig ge-burn-outet!

Ein halbes Jahr Uni in Deutschland und dann OHNE Pause an diese Elite-Knechtschafts-Schmiede, das ist einfach zuviel!!!

Ich versteh nicht, wie die ganzen Suedgelaendeleute das aushalten in den Ferien Klausuren und so zu schreiben.


jedenfalls hab ich die naechsten drei Tage Klausuren! und es ist eine gaaaanz normale Semesterwoche, mit den ueblichen zwei Gruppenarbeiten!!!


ich werde jetzt glaub ich meinen Rucksack packen und mich noch bei Nacht und Nebel (und das ist das schlimmste: es hat wolkenlosen Sonnenschein-Sternenhimmel!!!!) in die Berge verdruecken...oder den Dschungel... ma gucke.
Das ist dann morgen.... *traeum*




Freitag, 4. April 2008

Schlechte Nachrichten

Ich wurde bestohlen!!!!
und das ist vor allem fuer euch schlecht meine lieben Freunde:
ich hab hier ja eigentlich nie was dabei, was sich lohnen wuerde zu klauen (ich meine, wer klaut schon raubkopierte Buecher fuer 1,50€??) naja am Dienstag war ich halt mal wieder etwas spaeter mit einem ueberfuellten Microbus unterwegs und hatte meinen Rucksack auch ausnahmsweise mal vor dem Bauch....naja im Bus war die Fronttasche noch zu, auf der Strasse dann nicht mehr, hat wohl verdaechtig ausgesehen, dass ich den Rucksack so bewache ;-)

Und nun das Problem: das einzige, was da vorne drin war, waren die Postkarten, die ich schon geschrieben hatte!!!!!!!!!!!!! Will mal wissen, was der Ladron damit anfangen will!!

Is jetzt halt so, das ich relativ wenig Motivation aufbringe, nochmal zu schreiben...bzw das bei mir immer so Sechswochen an innerer Ueberwindung braucht ;-)
Ausserdem muss ich natuerlich erst wieder ein paar schoene Orte kennenlernen um Postkarten zu kaufen!
Mein Rat: Geduldet euch noch a bissl, ich schreib dafuer am Blog, ok?

Und: immerhin waren die Dinger auch schon mit Adresse versehen, vielleicht bin ich ja an einen lieben Dieb geraten und er frankiert die jetzt und eines Tages findet ihr sie in eurem Briefkasten!?

Passt auf euch auf, good bye and so long

Dienstag, 1. April 2008

Diese Bilder sprechen wahrscheinlich fast fuer sich...






Das Plattencover ist schon fertig, fuer Bandnamen etc. erwarte ich Vorschlaege!














Laguna Colorada









Haeckisaeck weit weit waeg ...














Ein Altiplanobewohner nach dem Versuch auf eben diesem zu uebernachten