Freitag, 29. Februar 2008

Ein paar Eindruecke vom Titicacasee















Copacabana














Stimmt schon, hier drueben laesst man es meist etwas gemuetlicher angehen...


Kurz vor der peruanisch-bolivianischen Grenze







Donnerstag, 28. Februar 2008

Und ein paar lustigere Nachrichten

Ich war mit sachkundiger Fuehrun in einer Cueca-Vorstellung. Das ist ein Tanz von dem es hier in jedem Land und Bundesland Variationen gibt. Jede Variation hat ihre Eigenheit und an ihrem Ursprungsort ist es die beste Version. Jedoch ist jede Form fuer die Gesamtgschichte wichtig: ein Paar lernt sich kennen, verliebt sich, heiratet. Total lustig war allerdings, wie die alte Feindschaft gegenueber Chile in allen moeglichen Kommentaren zum Ausdruck kam. An Chile hat Bolivien vor ueber 100 Jahren seinen Meerzugang verloren.

Nachts haben dann ein paar demonstrierende Mineros in der ganzen Stadt Mini-Sprengungen vorgenommen, was durchaus am Schlafen hindern kann und ausserdem unheimlich ist.

Morgends fand ich dann ein riesen Stueck Fleisch im Spuelbecken, was sich als Kuhzunge herausgestellt hat. Grund: weil mir bisher alles schmeckt, werden jetzt immer exotischere Sachen an mir ausprobiert,...Kuhhirn wurde auch schon angekuendigt.

Naja, ich hoff bloss mich verhaftet in naechster Zeit niemand, meinen Ausweis hat naemlich das Visazentrum eingesackt und als Beleg hab ich einen Fetzen erhalten, der einem Kassenzettel aehnlicher sieht als sonst irgendwas.
Immerhin weiss ich nach drei Krankenhausgaengen -fuer ein Certificado Medico - jetzt, dass ich kein Aids hab.

Machts gut, ich geh Kuhzunge essen.

Ein bischen was zur Politik hier herrueben

Aus aktuellem Anlass mal ein paar Infos zu diesem Land hier. Aktuell heisst, dass gestern in Stadtzentrum die "Mineros", die Minenarbeiter, ihre woechendliche Demonstration durchgefuehrt haben. Man merkt es meist erst, wenn man schon mitten drinsteckt, ausser man lernt Zeichen wie eine leergefegte Hauptstrasse richtig zu deuten.
Das haengt zum einen mit der fehlenden Information der Bevoelkerung insgesamt zusammen. Im Fernsehen wird nicht vorgewarnt sondern es werden im nachhinein sensationsluesterne Bilder gezeigt. Die Berichterstattung ist dabei auf ihre Weise objektiv: meist werden Polizisten als gewalttaetig und Demonstranten als drohendes Chaos dargestellt.
Zum anderen wird nicht viel ueber politische Themen gesprochen, man scheint sich aus unterschiedlichen Gruenden zu schaemen.
  • Erstens ist man Teil eines der aermsten Laender, ein Dozent beschreibt Bolivien als Maedchen deren Makeup die Bodenschaetze (Gas,Zinn,Kupfer) sind, sobald damit nicht mehr dick aufgetragen wird, wollen Industrienationen nichts mehr von dem Land wissen.
  • Zweitens war man wegen hoher Korruption lange Zeit selbst Schuld daran,
  • Drittens scheinen alle anderen es besser zu machen
  • und nicht zuletzt ist Evo Morales ein Indianerpraesident, und die Leute mit denen ich zu tun habe haben ihn nicht gewaehlt.
Der Versuch der Regierung Morales, den 60 Prozent Indianern im Land bessere Perspektiven zu schaffen broeckelt an allen Ecken und Enden.
  • Die reiche, spanisch-hellhaeutige Oberschicht ist sowieso gegen Einschnitte ihrer Privilegien und setzt ihre Macht zunehmend effizienter ein.
  • Die Mehrheit der Indigenas, z.B. die Mineros haben sich fast ein Jahr lang geduldet und auf Ergebnisse gewartet. Demokratie braucht aber nun mal ihre Zeit, zumal sie von den Konservativen (z.B. im Zusammenhang mit einer neuen Verfassung) boykottiert wird.
  • Die Regierung ist und bleibt voellig gewaltfrei; bei frueheren Prasidenten gab es in einzelnen Strassenschlachten (2001) bis zu 60 Tote.

Ergebnis ist, dass die vier reichen Provinzen (von 9) ihre Unabhaengigkeit erklaert haben, allerdings mithilfe von Unterschriftenlisten und Bestechungsgeldern. Die Indigenas in erprobter Art und Weise streiken, und auf dem Land die Arnarchie ausbricht.

Schuld an letzterem ist ein Gesetzesentwurf zur eingeschraenkten Selbstjustiz in den Regionen und 36 enzelnen Staemmen. Tatsache: Im Laufe der Woche wurden im Departement Cochabamba auf dieser Basis 3 Polizisten hingerichtet.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Streetlife in Bolivia




Ein paar Eindruecke vom
Fin de Semana in La Paz



Tobi und Martin, meine zwei Nuernberger
Kommilitonen, auf dem Markt in El Alto

Montag, 25. Februar 2008

Wochenende in La Paz

Ein lustiges Wochende liegt hinter mir. Samstag war Erstsemester-initiation, und da ich hier ja auch fast sowas bin, war ich auch eingeladen.
Naja, nach Kurz-Begruessung durch die hiesige Studentenleitung, ging es dann mit nem Micro (einem 3/4-Bus) in ein grosses Privathaus, von einem der reicheren Studenten hier und naja, dort gings dann ganz schoen ab.

Hatte das Gefuehl, die nehmen die Ammy-Teeniefilme hier n bischen zu ernst! Konnte mich jedenfalls gerade noch dem Riesentrichter mit Schlauch erwehren. Auch im weiteren Verlauf gings gut zur Sache: da der Rum hier das billigste Getraenk ist (und dabei noch nicht mal schlecht) gab es die Getraenkeauswahl: 10x5L-Kanister Rum pur, mit Cola oder nur Cola. Durchaus bewundernswert mit welchem Gottvertrauen auf ihre Leber so mancher einfach mal aus den Kanistern getrunken hat!

Dann fing es an zu regnen und zwar richtig, so wie das hier eben alle ca 6 Stunden der Fall ist, und alle tanzten im Regen. Dann schien wieder die Sonne, es war brutal heiss und alle schliefen ein....

...das war so gegen drei Uhr mittags und der Zeitpunkt, wo ich mich aus dem Staub gemacht hab und zu Tobi und Martin gewandelt bin.
T.&M. sind die anderen beiden Nuernberger hier, die wohnen in nem edlen Hochhaus mit Aussicht. Auch nicht schlecht, aber sie haben keine Yolita, die jeden Tag ein Drei-Gaenge-Menue auffaehrt ;-)

Nachdem ausruhen dort, war am Abend wieder Fiesta angesagt, in TTecos einer Kneipe in der man sich tatsaeclich wie in einer der Silberminen von Potosi fuehlen kann: eng, heiss, staubig und sitzen darf man auf dem Boden.

Sonntag ging es dann ruhiger zur Sache.
Wir wollten auf den Markt in El Alto. El Alto ist der Stadtteil von LaPaz, der auf dem Altiplano liegt, mit 600.000 Einwohnern ist es die groesste Indigena-Siedlung die es gibt, gleichzeitig ist es einer der am schnellsten wachsenden Orte in Lateinamerika.

Man steigt aus dem Minibus, spuert die Luft die auf 4000m noch duenner ist als unten in der Stadt und kann beliebig lange geradeaus laufen, ohne jemals das Ende des Marktes zu erreichen. Kaufen kann man alles was billig ist, vom Radiergummi bis zum Lastwagenreifen, vom Sack Quinua (feines "Getreide" das aber wie ne Koenigskerze aussieht) bis zur Lama-Herde.

Nachdem wir weder ausgeraubt worden waren, noch ein Lungenoedem entwickelt hatten, ging es wieder abwaerts, den Rucksack voller Krempel von zweifelhafter Brauchbarkeit.

Den Rest des Tages hiess es lernen...
und lernen wird hier irgendwie nich besser! Soll ich irgendjemandem erklaeren, was Arajpacha, Akapacha und Manquepacha sind? Oder doch lieber die Funktion der Kallapayas im Reich der Inka??

Nur fuer die, die es interessiert:
Ersteres sind die drei Vorstellungswelten der Aymara: das Zukuenftige im Osten liegende (Sonne, Regen, Leben), Das Gegenwaertige in dem "Tinku" wichtig ist, der Einklang und die Harmonie mit allem was einen umgibt, und das Vergangene im Westen liegende (Atacama-Wueste und Pazifik), Tod und Dunkelheit.
Letzteres ist ein Volk von Medizinmaennern, sie durchwanderten ca im Mittelalter fast den ganzen Kontinent und verkauften ihre Fertigkeiten. Es gibt sie heute noch, sie besitzen eine Geheimsprache und erinnern ein bischen an Gandalf und Saruman, sie besitzen die groesste Kenntnis alter Inka-Highways. Zur Zeit der Inkas um ca 1400 waren sie hoch angesehen, da man ihre Kenntnisse benoetigte um das Reich der Aymara, Quechua, Urus, etc im Schnellverfahren zu erobern.

Also alles in allem schon interessant, und vllt bleib ich am Ende einfach hier und werd Fremdenfuehrer.

Arequipa, Stadt unterhalb von drei Vulkanen




Noch mehr Wueste und die Filme, die dabei im Bus liefen:







Wueste




Dienstag, 19. Februar 2008

...und ja, meine Mailadresse s.u. war falsch, stimmt jetzt, danke Frieder, war ja kurz vorm Abflug als ich das gemacht hab....

...und ja Fotos kommen auch, wenn ich hier irgendwo mal eine Kartenlesegeraet finde!!!!!!!!!!.... ja ich haette auch mein USB-Kabel mitnehmen koennen, z.B. statt einem Handy mit Simlock.......Hab ich aber nicht!!!

Uni

Die ersten zwei stressigen Uni-tage waeren geschafft.
Fuehl mich fast wie zuhause, mit ein paar kleinen Unterschieden: Das hier ist eine kleine Campusuni mit 5000 Studenten, der Campus zwischen den einzelnen Gebauden ist ein einziger bequemer Garten, den ich mal spontan zu den gemuetlichsten Orten in der brodelnden Stadt zaehlen wuerde.
Alles geht hier recht gemuetlich zu, das faengt bei den Profs an, die oefters zu spaet kommen, dann aber die Tuere hinter sich zuschliessen und haengt damit zusammen, dass man sich einfach nicht schnell bewegen kann. Wie alles hier, liegt auch die Uni an einem steilen Hang und bei 3500m Hoehe wird einem ziemlich schwindlig wenn man vom Eingangstor ganz unten zum Block D ganz oben rennt.

Meine lieben Mitstudenten sehen eigentlich ganz normal aus ;-) will heissen sie sind normal angezogen (kein einziger Alpakapulli! muss ich wohl mal einfuehren) und benehmen sich auch sonst so ziemlich wie deutsche 12. Klaessler.

Die Dozenten sind seeehr unterschiedlich, manche versteht man gar nicht und andererseits mein Lieblingsdozent erzaehlt laufend von Kajakfahren, Klettern, Trekking und Hoehlenerkundungen an Land und im Eis :-)

Noch was fuer die Geografen die hier reingucken:
wir habens ja sooo gut in Erlangen, die hier sind total verschult. Nix mit nem schoenen Referat und gut is, Nein: 6 (SECHS!) Wochenstunden pro Kurs, sinnvolle Wortmeldungen werden mit + in eine Liste eingetragen, Montags Kurztest ueber die letzte Woche und wer durchaelt darf am Ende die Abschlussklausur mitschreiben, die dann aber glaub auch fast die Endnote ausmacht .... also nochmal wie bekloppt lernen! Fuer die die nicht durchhalten besteht kurz vorher dankenswerter Weise die Moeglichkeit die Faecher wieder abzuwaehlen.... fuer die man vorher alles gegeben hat ;-)

Naja wird scho werden

Freitag, 15. Februar 2008

Angekommen II

Ok, ganz so frueh hatte ich s mir eigentlich nicht vorgestellt! Statt den erwarteten 8,5 stunden waren wir in 6 stunden in Puno, sprich um 3 uhr nachts. Und ich bin ja gottfroh, dass es dunkel war und ich die Schluchten nicht gesehen hab an denen es vorbeigeht ... wusste gar nicht wieviel Schieflage ein Bus haben kann ohne umzukippen.

Bis heute morgen (also gigantische eineinhalb Tage) stand dann Titicacasee auf dem Programm. Wirklich schoen hier, bin nach Copacabana wo man sich fuehlt als waere man in Italien am Meer - mal abgesehen von den bunten Indianerdamen.

Und dann hab ich einen Gewaltmarsch ueber die Isla del Sol gestartet. Waren sicher nichtmal 20km, ging aber ziemlich rauf und runter: rauf auf ueber 4000m heisst das. Ich wollte diesen Post auch erst "Juhuuu, kein Hoehenkopfweh!" nennen, aber abends hab ich mich dann in ne ruhige Bucht gesetzt und erst mal ne Aspirin genommen. Hatte auch keine Lust mich zu den Musikern ein paar Meter weiter zu setzen, die Trommeln waren einfach zu gross.

Naja, morgens ging es von der Insel zurueck, hab mich zwar nicht uebers Ohr hauen lassen wie bei der Hinfahrt, allerdings war nach der halben Strecke ein Motor kaputt und beim zweiten ging kurz darauf das Benzin aus.....

Angekommen bin ich trotzdem, hundemuede und direkt ins Paradies gestolpert. Hier bei meiner Gastfamilie in La Paz gibt es einfach alles! Den GANZEN Tag ueber fliessend Wasser - Strom - Platz - RUHE - der Kuehlschrank (!) ist voller Milchprodukte....
Ich glaube, so schnell geh ich hier nich mehr weg :-)

Mittwoch, 13. Februar 2008

Was macht eigentlich der Simon?

Naja, heute hat er sich mal nen richtig schoenen Sonnenbrand geholt, weil er die Sonnencreme im Rucksack vergessen hat und der am Busbahnhof auf ihn wartet.

Ich bin jetzt in Arequipa, unterhalb von drei dicken Vulkanen mit Schneekappe, Caro ist in die andere Richtung abgedampft, nach Norden nach Trujillo. Hab mir grade ein grosses Almuerzo fuer nicht mal n Euro schmecken lassen und werd mich so langsam auf den Weg zum Busbahnhof machen damit ich morgen frueh am Lago Titicaca aufwache.

Gruss an euch alle und ihr habt echt was verpasst, wenn ihr noch nie Micro gefahren seid, nur um dann in Limas unheimlichen Vororten aussteigen yu muessen, weil der Fahrer mit nem Carnet de Conducir faehrt, den er schon 2005 verloren hat!

Montag, 11. Februar 2008

Eine andere Welt

Also was ist passiert? Keine Ahnung, nach 17 Reisestunden bin ich bei 26ºC in Lima angekommen.

Hab mal wieder die Zeitverschiebung verplant und Caro gesagt, ich wuerde morgen eintreffen. Egal, sie ist zwar erst seit ein paar Stunden wieder in Lima aber hat die Sache im Griff (den Rest kann man auch auf www.americarolin.blogspot.com nachlesen - ja, daher ist auch meine Adresse geklaut ;-).
Ich komme bei einem Padre und einem lustigen Haufen Novizen unter, die mich auch nicht vor 6 Uhr in Deutschland schlafen gehen lassen.

Am naechsten Tag finde ich raus, wo ich gelandet bin..... in der Wueste? Sand, Strohhuetten, ne Strasse mit viel Verkehr und immer irgendwo ein paar Leute.

Wir waren dann bischn in der Umgebung da unterwegs. War krass, sehr krass sogar. Eine komplett andere Welt, wir waren am ausersten Ende von lima, ausser Sand und Strohhuetten gabs noch: Getraenke, Brot, Fruechte fuer 15 Cent, Menschen, die alle einen recht glueklichen Eindruck machen! keine Betrunkenen oder so, stattdessen wird man immer immer wieder gewarnt doch "cuidadoso", vorsichig, zu sein.Dann durfte ich noch ein bischen die Kinder aus Caros Kinderheim kennenlernen - ein ziemlich suesser Haufen! und jetzt sind wir ins Stadtzentrum zu einem Freund von ihr. Hier ist alles ganz anders!! ungefaehr so wie in jeder x-beliebigen spanischen Stadt und im Vergleich zu weiter aussen fehlen einfach die Massen von Leuten, die ein bischen Geld verdienen indem sie einzelne Bonbons verkaufen, Saltos vor Autos schlagen oder einfach einen offentlichen Wiegedienst (sprich eine Waage zum sich draufstellen) anbieten :-)
jetzt muss ich noch ein bischen die Uebermuedung bekaempfen, morgen mittag geht es weiter nach Arequipa (halber Weg nach la Paz) Caro zieht es nach Ecuador.

Sonntag, 10. Februar 2008